Gemeindepsychologisches Handeln in unterschiedlichen Kontexten.
Herausforderungen & Begrenzungen
Die Jahrestagung der GGFP wird am 18.–19. September 2026 in Berlin stattfinden!




(c) ufi 2026
Die diesjährige gemeindepsychologische Jahrestagung hat einen besonderen Ort gewählt. Mitten auf der Verkehrsinsel des Ernst-Reuter-Platzes hat ein Architektenteam historische Fassadenelemente des Dessauer Bauhauses vor der „Verschrottung“ gerettet und einer Wiederverwendung zugeführt. Unter dem Titel „Bauhaus Re-use“ entstand so ein einmaliger Veranstaltungsort mitten in Berlin. Diese Wiederverwendung alter Elemente, aus denen durch kreatives Kombinieren Neues und durchaus auch Herausforderndes entstanden ist, kann auch als Metapher für die aktuellen Herausforderungen der Gemeindepsychologie stehen. Bewährte anwendungsorientierte Konzepte und international etablierte theoretische Perspektiven einer Community Psychology harren in Deutschland leider immer noch der breiten Wiederentdeckung. Suchbewegungen der an ihre Grenzen kommenden individualistischen Perspektiven sind in Richtung der Gemeindepsychologie allerdings ebenso zu entdecken. Als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen geht es dabei durchaus um Neukonstruktionen bewährter gemeindepsychologischer Denk- und Handlungsmuster. Zu solchen Überlegungen laden wir ein.
Als der Berliner Stammtisch Anfang des Jahres einen Call zur Einreichung von Beiträgen, die sich mit community-orientierten Ansätzen und Impulsen zur (Wieder)Herstellung von Handlungsfähigkeit aus gemeindepsychologischer Perspektive beschreiben lassen, versandte, waren wir beeindruckt, von dem breiten Anwendungsspektrum, das sich auftat. Auf unserer zweitägigen Tagung wollen wir dieses Spektrum versuchen abzubilden und die unterschiedlichen Ansätze in Bezug auf ihre Zukunftsfähigkeit hin diskutieren.
Am ersten Tag werden aus drei Themen- und Arbeitsfeldern gemeindepsychologische Ansätze zur (Wieder)Herstellung der Handlungsfähigkeit präsentiert und diskutiert. Am zweiten Tag steht die Hochschule/Universität als Ort gemeindepsychologischer Denk- und Haltungsentwicklung im Zentrum.
Das Vorbereitungsteam
Veranstaltungsort:
bauhaus reuse (BHROX) www.bauhaus-reuse.de
Ernst-Reuter-Platz 14
10587 Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Öffentlicher Nahverkehr: www.bvg.de (U-Bahn Haltestelle Ernst-Reuter-Platz)
Das Bauhaus befindet sich mitten auf der Verkehrsinsel Ernst-Reuter-Platz. Bitte den Aufgang „Zugang Mittelinsel“ von der U-Bahn-Station aus nutzen. Den Kreisverkehr kann man oberirdisch nicht zur Mittelinsel hin überqueren!




(c) ufi 2026
Tagungsflyer:
Programm Freitag, 18.09.2026
13:30 Ankommen mit Kaffee
14:00 Tagungseröffnung
Mike Seckinger & Olaf Neumann
14:15 Die Kraft des konstruktiven Aktivismus
Raul Krauthausen (angefragt)
15:15 Was macht Umwelten identitätssicher für LSBTQIA+ Personen? – Perspektiven aus der Community
Caan Hollenbach & Anette Rohmann
Zusammenfassung
LSBTQIA+ Personen erfahren im Alltag immer noch Vorurteile, Diskriminierung und Ausschlüsse. Vor diesem Hintergrund befasst sich dieser Beitrag mit der Gestaltung von identitätssicheren Lebensbereichen für LSBTQIA+ Personen in unterschiedlichen Kontexten: vom Gesundheitssystem über öffentliche Orte und das private Umfeld bis zum Arbeitsplatz. Im Zentrum steht dabei die folgende Frage: Was brauchen LSBTQIA+ Personen, damit sie sich im Alltag willkommen, zugehörig und gerecht behandelt fühlen und authentisch sie selbst sein können? Wie können bzw. sollten soziale, physische und digitale Räume entsprechend gestaltet sein? Zur Beantwortung dieser Fragen wurde eine qualitative Online-Befragung mit LSBTQIA+ Personen durchgeführt. Die Antworten der 207 teilnehmenden Personen spiegeln verschiedene Perspektiven aus der Community wider. Im Rahmen des Vortrags werden zentrale Themen aus den Daten vorgestellt, unterschiedliche Bedarfe verschiedener Subgruppen herausgearbeitet und mögliche Besonderheiten der jeweiligen Räume erläutert. Gemeinsam mit dem Publikum möchten wir im Anschluss diskutieren, wie identitätssichere Räume für LSBTQIA+ Personen und andere (mehrfach) marginalisierte Personen gestaltet werden können und wie wir sowohl in der Praxis als auch in zukünftiger Forschung in diesem Bereich ins Handeln kommen können.
16:15 Kaffeepause
16:45 Workshops
a) Wie nehmen wir autoritäre Veränderungen wahr? – Fortsetzung der Diskussion zu Erfahrungen und gemeindepsychologische Handlungsoptionen aus der letzten Jahrestagung
Monika Bobzien
b) „Therapie der Befreiung“ – ein experimenteller (Selbst)Erfahrungsworkshop
Maximilian Freier-Schinz
Zusammenfassung
Kann Psychotherapie hinausgehen über die Hilfe zur Anpassung an (krankmachende) Lebensbedingungen? Und kann eine gemeindepsycholgische Perspektive dabei Beteiligte ermutigen, Veränderungsprozesse grundlegender als nur intrapsychisch zu bestreiten, also am Ende gar Empowerment fördern? Ein experimenteller Workshop zur Entwicklung einer „Therapie der Befreiung“ mittels Selbsterfahrung des eigenen Handlungsraumes.
18:00 Die Entdeckung solidarischen Handelns im Management von kollektiven Krisen & Katastrophen
Vincenz Leuschner & Olaf Neumann
Zusammenfassung
Im BMFTR-Forschungsprojekt EQuip werden vier kontrastreich ausgewählte Fälle kollektiver Krisen und Katastrophen aus einer anwendungsorientierten Perspektive untersucht. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich die Zusammenarbeit zwischen staatlicher Verwaltung und (sich in Großschadenslagen bildenden) zivilgesellschaftlichen Initiativen verbessern lässt. Dabei zeigt sich, dass das Aufeinandertreffen einer Top-Down-Notfalllogik von Krisenstäben und solidarisch vernetztem Handeln vielfältige kommunikative Fallen birgt und Reibungsverluste erzeugt. Die Chancen, die in der Bewältigung solcher kollektiven Krisen und Katstrophen liegen, lässt Fragen bezüglich der Rolle der Gemeindepsychologie zu, die wir in diesem Vortrag thematisieren wollen.
18:45 Tageszusammenfassung
Mike Seckinger
19:00 Gemeinsamer Tagesausklang im Bauhaus Reuse
Zeit für Gespräche und Vernetzung bei Essen und Getränken
Programm Samstag, 19.09.2026
09:00 Ankommen
09:15 Tageseinführung
Mike Seckinger
09:30 Chancen und Herausforderungen von Campus-Community-Partnerships. Eine qualitative Fallstudie zum Transfer zwischen der Alice Salomon Hochschule Berlin und dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf
Arne Böker & Jarg Bergold
Zusammenfassung
Wie können eine Hochschule und ihr unmittelbares sozialräumliches Umfeld miteinander arbeiten, voneinander lernen und füreinander nützlich sein? Der Vortrag beantwortet diese Frage anhand der Zusammenarbeit zwischen der ASH Berlin und dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf.
Transfer zählt heute zu den zentralen Aufgaben von Hochschulen. Zu Beginn des Vortrags geben wir einen kurzen Überblick über verschiedene Transferverständnisse und aktuelle wissenschaftliche Diskussionen. Anschließend werden Ergebnisse einer qualitativen Fallstudie vorgestellt. Die Analyse basiert auf Expert*inneninterviews und einer Dokumentenanalyse. Ziel der Untersuchung ist die Rekonstruktion sozialer Welten regionalen Transfers
auf Grundlage der Transferaktivitäten der ASH Berlin im Bezirk Marzahn-Hellersdorf seit 1998. Als eines der zentralen Konzepte einer Theorie von Campus-Community-Partnership wird das Konzept der Readiness – die Bereitschaft zur Partnerschaft – vorgestellt. Wir diskutieren, welche Herausforderungen und Perspektiven sich für die gemeinsame Arbeit daraus ergeben. Der Vortrag verbindet wissenschaftliche Analyse mit praktischen Handlungsperspektiven.
Anhand der Fallstudie arbeiten wir Hinweise für die Gestaltung tragfähiger Campus-Community-Partnerships heraus. Zugleich zeigt sich, dass gemeindepsychologische Ansätze unmittelbar anschlussfähig an die Debatten zu Campus-Community-Partnerships und Third Mission sind. Sie stellen daher eine Möglichkeit dar, Gemeindepsychologie im deutschsprachigen Raum wieder sichtbarer zu machen.
10:30 Werte im Fokus: Die WERTstatt als Raum für Dialog, Reflexion und Werteorientierung
Anette Rohmann, Charlie Albrecht, Stefanie Gellner, Verena Ohanian & Julia Platzmann
Zusammenfassung
Die Auseinandersetzung mit individuellen und gesellschaftlichen Werten gewinnt angesichts sozialer Polarisierung, Unsicherheit und gesellschaftlicher Transformationen zunehmend an Bedeutung. Mit der WERTstatt haben wir ein innovatives Lehr- und Reflexionsformat für Studierende entwickelt, das Selbstreflexion, Perspektivenübernahme und dialogische Kompetenzen fördert. Ziel des Projekts ist es, Räume zu schaffen, in denen Wertekonflikte sichtbar gemacht, reflektiert und konstruktiv bearbeitet werden können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit zentralen community-psychologischen Werten wie sozialer Gerechtigkeit und Respekt für Diversität. Die Teilnahme soll Studierende dazu befähigen, sich lösungsorientiert mit herausfordernden Situationen auseinanderzusetzen und fundierte Entscheidungen in ihrem künftigen Berufsleben zu treffen. Die WERTstatt kombiniert flexibles Selbststudium, wöchentliche moderierte Online-Kleingruppen sowie einen Präsenztag mit interaktiven Übungen. Die Teilnehmenden setzen sich unter anderem
mit aktivem Zuhören, Perspektivenwechsel und dem Umgang mit konkreten Wertekonflikten in Rollenspielen auseinander. Ergänzend bearbeiten sie Alltagsübungen, die zum bewussten Aufbrechen von Routinen und zur Reflexion sozialer Wahrnehmungen anregen. Das Projekt wurde partizipativ entwickelt und wird fortlaufend durch ein Student Advisory Board begleitet. In dem Beitrag stellen wir Erfahrungen aus der Durchführung der WERTstatt sowie
Ergebnisse der begleitenden Evaluation vor. Wir möchten anschließend diskutieren, wie die WERTstatt und ähnliche Formate einen Raum für respektvollen Dialog und konstruktiven Umgang mit Differenz eröffnen und somit Handlungskompetenzen für den Umgang mit Herausforderungen durch gesellschaftliche Transformationen fördern können.
11:15 Kaffeepause
11:30 Gemeindepsychologische Qualifikation als potenzielle Trumpf-Karte in der Transformation des M.Sc. Psychologie – Eine aktuelle Analyse –
Uwe C. Fischer
Zusammenfassung
Seit der Einführung des M.Sc. Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie 2019 ist der „allgemeine“ M.Sc. Psychologie auf einer neuen Orientierungssuche. Die Attraktivität eines qualifizierenden Studiengangs hängt u.a. davon ab, welche Anwendungsfelder aktuell und vor allem in Zukunft angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen erforderlich sind. Ein Großteil der aktuellen Herausforderungen (siehe z.B. United Nations’ Sustainable Development Goals 2015-2030; Global Psychology Alliance, 2023; Empfehlungen der APA 2023) verlangt einen Fokus auf sozio-ökologische Systeme sowie auf die kontextuelle Einbettung menschlichen Verhaltens jenseits rein auf das Individuum beschränkter Verhaltensänderungen. Ein prominenter, etablierter Ansatz innerhalb der Psychologie, der diesen Fokus abdecken kann, ist die Gemeindepsychologie. Daher untersucht die vorliegende Analyse: a) welche gesellschaftlichen Herausforderungen psychologische Interventionen und entsprechende Qualifikationen erfordern; b) wie der aktuelle Stand der Qualifizierung in der Psychologie hinsichtlich thematischer Schwerpunkte beschaffen ist (Inhalte und Methoden auf der Grundlage von Modulbeschreibungen); und c) welchen Beitrag die Gemeindepsychologie in diesem Zusammenhang leisten kann. Im Rahmen einer qualitativen Dokumentenanalyse wird die Qualifizierungs-Situation in Deutschland in den Blick genommen. Dabei wird darauf fokussiert, welche ersten inhaltlichen Anpassungsversuche bei der Gestaltung der allgemeinpsychologischen Master-Qualifizierung zu erkennen sind. Die Ergebnisse werden diskutiert, indem die gesellschaftlichen Anforderungen dem aktuellen Stand der psychologischen Qualifizierung gegenübergestellt werden. Zudem wird auf das Potenzial der geforderten interdisziplinären Öffnung des Studiengangs (vgl. Wissenschaftsrat, 2018) durch den Einbezug der Gemeindepsychologie eingegangen.
12:15 Tagungszusammenfassung
Mike Seckinger & Laura Aßmann
13:00-16:00 Mitgliederversammlung der GGFP
Tagungskosten
Studierende: 30 €
Mitglieder: 50 €
Externe: 80 €
Bitte auf folgendes Konto einzahlen:
GGFP
SozialBank
DE55 3702 0500 0008 8857 00
Kosten für Anreise und Übernachtung müssen von den Teilnehmenden selbst getragen werden.
Der Tagungspreis beinhaltet einen Willkommensimbiss, Nachmittagskaffee, Snacks, Obst und Tagungsgetränke.
Für das Catering und Getränke der Abendveranstaltung wird eine Spende erbeten.
Anmeldung
Bitte schicken Sie Ihre Anmeldung mit Angabe Ihres Namens, einer e-Mail-Adresse, ihrer Organisation/Institution bis zum 10.09.2026 per e-Mail an die Geschäftsstelle der GGFP: info[a]ggfp.de
Bitte denken Sie daran, gleich mit der Anmeldung die Tagungskosten zu überweisen.

Mitgliederversammlung
Die diesjährige Mitgliederversammlung wird am 19.09.2026 im Rahmen der diesjährigen Arbeitstagung um 13:00 Uhr beginnen.
Die Einladung an die Mitglieder geht gesondert zu.
Call for Contribution <Einreichungsfrist abgelaufen>
Beitragsvorschläge aus Forschung und Praxis gesucht.

Am 18./19. September 2026 lädt der Berliner gemeindepsychologische Stammtisch zur Fachtagung nach Berlin-Charlottenburg ins bauhaus reuse mitten auf dem Ernst-Reuter-Platz ein.
Die Welt ist voller Veränderungen und Transformationen. Gleichzeitig erleben wir allerorts und zu vielen Themen Verengungen auf tradierte Lösungen, die Optimismus und kollektive Wirksamkeit zunehmend zur Mangelware werden lassen. Gemeindepsychologische Konzepte, die die Kraft der Community betonen und stärken, scheinen als eine Art Gegengewicht zu dieser Entwicklung mehr denn je gefragt. Auf der Tagung laden wir zum fachlichen Austausch über gesellschaftliche Herausforderungen im Umgang mit aktuellen Transformationen ein. Wir werden die Herausforderungen und Transformationen insbesondere unter einer gemeindepsychologischen Perspektive versuchen einzuordnen und uns gemeinsam auf die Suche nach neuen Handlungsoptionen in der sich ändernden Welt begeben. Wo entstehen Chancen und Möglichkeiten, die wir diskutieren können?
Der Berliner gemeindepsychologische Stammtisch bittet um Beitragsvorschläge. Ob zivilgesellschaftliche Akteure, Nachwuchswissenschaftler*innen, Praktiker*innen – Expert*innen verschiedenster Interessens- und Arbeitsfelder sind eingeladen, ihre Themen einer aktiven Community vorzustellen.
Welche Beiträge werden gesucht?
Die Bandbreite an möglichen Themen ist weit gefasst. Uns interessieren Beiträge, die einen klaren Fokus darauf legen, wie wir wieder ins Handeln kommen und damit den community-orientierten Diskurs und neue Denkansätze anregen können. Gesucht werden Beiträge zu laufenden und/oder abgeschlossenen Projekten, zu Erkenntnissen aus Forschung und Praxis, studentische Arbeiten, neue Überlegungen aus Theorie und Praxis. Wir freuen uns sowohl über das Einreichen von Redebeiträgen als auch über Posterpräsentationen. Auch künstlerische Interventionen sind willkommen.
Beitrag einreichen
Die Einreichungsfrist ist der 15.05.2026 unter info[a]ggfp.de
Es besteht die Möglichkeit, die Beiträge im Anschluss an die Tagung im Forum Gemeindepsychologie einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Zum Herunterladen des Calls als pdf:
